Archiv für Juni 27th, 2011

Langeweile

Busfahrten. 150km in 5 Stunden. Rekordzeit. “Asphaltierte” Straße wechselt sich mit einer Schlammpiste ab. An Schlaf ist bei dem Gewackel nicht zu denken. Auf dem Fernseher läuft kambodschanisches Karaoke. Die Videos sind grottig, mit Bildübergängen, auf die PowerPoint alle Copyrights hat.Die Kamera wechselt, das vorherige Bild wird zusammengefaltet, und faltet sich andersrum wieder zum neuen Bild auf. Die Schauspieler sind schlecht geschminkt, und 50000W-Scheinwerfer beleuchten sie von allen Seiten. Die Musik hat was von unseren Schnulzen aus den 20ern, in kreischendem Kambodschanisch. Oder ist es Thai?

Egal.

Langeweile, sollte man denken. Und doch habe ich sie nie wirklich verspürt. Der iPod hilft, die grausamen Geräusche zu unterdrücken, ich kann meinen Gedanken nachhängen. Alles möglich spielt sich in meinem Kopf ab. Songtexte, erlebtes wir wiederholt, verpasstest wird betrauert, und ständig wünsche ich mir, zurück zu können. Nach Hause. An die Orte an denen ich bereits war. Dorthin, wohin ich noch möchte. Ich dachte, meine Liste der Ziele in der Welt würde kleiner werden, wenn ich sie auf dieser Reise teilweise abarbeite. Aber Leute die man trifft erzählen einem von Orten, man wird sich bewusst, wo man überall hinmöchte, die Liste wächst.

Draußen fliegt das Land an einem vorbei. Ein faszinierender Anblick.

Ein Gefühl von Langweile kommt auf Reisen scheinbar nicht auf!

 

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Erstellt am Montag 27. Juni 2011
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Aber über Nazis redet jeder…

Achtung: der folgende Artikel kann verstörende, nicht jugendfreie Texte und Bilder enthalten!

Dunkelheit. Der Knöchel wird von einer Eisenschelle nahezu zu Brei verarbeitet. Links eine Mauer, rechts eine Mauer. Platz zum ausbreiten hat man nicht. Kann man auch nicht. Angekettet, schlimmer als jedes Tier, auf 1m²; wenn überhaupt. Die glücklichen haben Einen Fensterplatz und bekommen noch die Sonne zu sehen. Hier wartet man nur. Man wartet auf den Tod.

S-21. Das Gefängnis des Pol Pot Regimes, in welches die Gefangenen gebracht wurde, wo sie unter grausamster Folter befragt wurden, nur um am Ende erschossen zu werden. Wenn man Glück hatte. Munition war nämlich teuer und rar, also wurden die meisten mit Stumpfen Messern und Knüppel zu Tode geprügelt. Wer würde denken, dass dies mal eine Schule war, wo die Zukunft eines Landes ausgebildet wurde.

Ein verstörender Ort. Vielleicht liegt es unter anderem an ihm, dass ich Phnom Penh, die 2 Millionen Hauptstadt Kambodschas, so schnell wie möglich verlassen will. Vor 40 Jahren, als die Roten Khmer einmarschiert sind, war es eine Geisterstadt. Jeder wurde aus den Städten aufs Land vertrieben, um als hirnlose, undenkende Arbeitsmaschine Nahrung fürs Volk zu produzieren. Pol Pots Idee des ultrakommunistischen Agrarstaates. fast 4 Jahre hat es geklappt, bis die Vietnamesen all dem ein Ende setzten.

Spuren sind heute noch zu sehen. Die Killing Fields etwa, wohin die Leute deportiert wurden, um ermordet zu werden. Entfernt von allem wertvollen, wo Verwesung keinen Schaden anrichten kann. Hier hat Pol Pot Reinigung des Volkes am krassesten gegriffen. Er wollte den Kambodschanischen Arier ohne eigenen Willen.

 

Heute Zeigt sich Phnom Penh als ein angehendes Bangkok. Viele Firmen siedeln sich an, die Stadt wächst. Eine Struktur ist im Kern noch zu erkennen. Wie in New York sind die Straßen durchnummeriert. Als Außenstehender hat man trotzdem kaum Durchblick. die Nummerierung ergibt kaum Sinn. Orientierungspunkte sind der Königspalast, Pagoden und die berühmten Märkte. Der Russian Market, wo man von handgearbeitetem Schund, bis hin zu handgearbeitetem Schmuck aus Gold mit Brillanten so einiges findet. Wer will kann sich hier auch alle Komponenten kaufen, die zum bau eines Mopeds nötig sind. Wirklich ALLES. Vermutlich lässt sich auch ein Panzer oder eine Atombombe hier zusammenbauen. Ich meine wer will, kann auch für ein paar Dollar eine Panzerfaust abfeuern, oder wie wild mit einer AK-47 um sich ballern. Außerhalb der Stadt in einer “sicheren” Umgebung versteht sich! Der Traum eines angehendes Amoklä…. entschuldigt, harmlosen Computerzockers. Ich verzichte drauf.

Genug von den Großstädten. Ein Busticket aufs Land nach Kampot bitte. Dahin wo der Pfeffer wächst!

 

 

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Ist doch nun wirklich nicht so schwer diese einfachen Regeln zu befolgen…

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Früher Klassenzimmer, danach Folterkammer. Kaum eine Veränderung mag manch einer denken

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Da schickt man sich doch besser…

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Jedes Gefängnis in Deutschland ist ein Hotel im Vergleich dazu

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Funde auf den Killing Fields

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Es ging noch weiter hoch

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Hat doch was von nem KZ

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Verdrängung ist eine Methode um etwas zu bewältigen…

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Wie vielfältig Bäume doch eingesetzt werden können!

Erstellt am Montag 27. Juni 2011
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